CDU Ratsfraktion- Mitteilungen
16.07.2012 18:11
CDU-Ratsfraktion: Unsere Position zum Musikzentrum
Roland Mitschke stellvertretender Fraktionsvorsitzender

Zur Vorgeschichte

Die CDU hat 1999 als erste und damals noch einzige Partei in Bochum in ihrem  Kommunal­wahlprogramm einen Konzertsaal für Bochum gefordert. Vor dem Hintergrund der damals  diskutierten Aufgabe der Marienkirche heißt es in dem am 09.02.1999 verabschiedeten Pro­gramm, in einem Ideenwettbewerb sollten „auch eher ungewöhnliche Ideen wie etwa die Nutzung eines Kirchen­ge­bäudes“ geprüft werden. In ihren späteren Kommunal­pro­grammen bis zu dem gegenwärtig gelten­den einschließlich hat sie die Forderung einer Aufführungs­stät­te für Musik wiederholt und konkretisiert. 

Es blieb nicht bei programmatischen Aussagen. Schon im August 1999 kam es im Rat der Stadt auf Initiative der CDU zu dem Antrag, eine entsprechende Machbarkeits­stu­die in Auf­trag zu geben. Der CDU-Sprecher, der ihn begrün­dete, forderte schon damals ein „Haus der Musik“ als „Heimstätte für die Sym­phoniker“, das aber auch für „Jazz-, Rock- und Popkon­zer­te freier Bands und Musikkapellen, für Liederabende und Kammermusik, als Aufführungs­stät­te für die großen Bochumer Chöre“ und „nicht zuletzt für Konzertveran­stal­tungen unse­rer Musikschule“ zur Verfügung stehen sollte.

Im folgenden Jahrzehnt hat die CDU in den parlamentarischen Gremien immer wieder auf Realisierungsfort­schritte gedrängt und  - als sich andere große Fraktionen noch teils zöger­lich und hinhaltend, teils blockierend  verhielten -  mit Nachdruck die Verwirkli­chung des Pro­jekts vertreten. Als schließlich die Idee eines vielfältig nutz­ba­ren Musikzentrums Gestalt annahm durch die Kombination eines teilweisen Neubaus mit der alten  Marienkir­che, für deren Erhaltung sich die Union aus städtebau­li­chen Gründen ebenfalls seit Jahren stark ge­macht hatte, sah sie zugleich einen wesentlichen Teil ihrer Ideen von 1999 verwirk­licht.

Dennoch befürwortet die CDU-Fraktion das heutige Projekt nicht nur, weil sie „schon immer dafür war“ und die Realisierung einer Spielstätte auf der politischen Ebene am nachdrück­lich­sten vertreten hat. Sie hat auch aktuell auf der Basis der finanziellen Situation der Stadt vor­urteilsfrei ge­prüft, ob sich Bochum das jetzt geplante Musikzen­trum „leisten kann“.

Zum aktuellen Abwägungsprozess

I. Die Kosten (oder: was gegen das Musikzentrum sprechen könnte)
(1) Die Stadt muss 2,4 Mio. Euro von der insgesamt 33 Mio. Euro-Investition aufbringen. Sparkasse und Stadtwerke beteiligen sich durch entsprechende Werbeverträge in Höhe von je 1 Mio. Euro. Alles Andere zahlen die Stiftung sowie Land und EU. Diese zweckge-bundenen Mittel würden der Stadt nicht für andere Vorhaben zur Verfügung ste­hen, sondern für Bochum ver­fallen, wenn das Musikzen­trum nicht gebaut wird.

(2) Natürlich wird das Musikzentrum künftig Betriebskosten verursachen. Aber zugleich wer­den bisherige Kosten für Räume, Transporte und transportbedingte Reparaturkosten der Instrumente etc. entfallen. Danach, so hat die Fachverwal­tung ermittelt,  verbleiben jährliche Mehrkosten von 300 000 Euro.


II. Die Effekte (oder: was für das Musikzentrum spricht)   

(1) Für die BoSy’s, das beste Symphonie-Orchester des Reviers und eines der leistungsstärk­sten des Landes, werden die widrigen Probe- und unzulänglichen Aufführungsbedingungen beendet. Aber auch die Musikschul-Orchester, Bochu­mer Chöre, Bands und Musikkapellen sowie alle diejenigen, die in größerem Rahmen Musik ma­chen wollen und können, erhalten „ihre“  Spielstätte. Sie wird die musische Bildung fördern und die Breitenkultur. Für die Bo­chu­mer Bürger insgesamt wird sie ein umfangreiches und differenziertes Musik-Angebot ge­bündelt bie­ten, für viele Mu­sikliebhaber die Lebensqualität unserer Stadt steigern.

(2) Bochums Innenstadt wird städtebaulich gewinnen, schöner werden. Nicht nur, weil eine häss­liche Baulücke verschwindet: Der Konzertsaal setzt einen qualitätsvollen architektoni­schen Akzent, wer­tet das Viktoria-Quartier auf und rundet das „Bermuda-Dreieck“ ab. Die Marienkirche, stei­nernes Dokument der Bo­chumer Geschichte und städtebauliche Dominan­te, letzten Endes ein Stück Identität unserer Stadt, bleibt erhalten.

(3) So wie das Schauspielhaus Anziehungspunkt und Imageträger bundesweit ist, wird es zu­sätzlich das Musikzentrum sein. Es macht Bochum auch außerhalb der Stadtgrenzen at­trak­tiver und indirekt Werbung für unsere Stadt, es wird langfristig als einer der so genann­ten „weichen Standortfak­toren“ wirken. Das alles schlägt sich, wenngleich nicht „in Heller und Pfennig“ messbar,  auch wirt­schaft­­lich nieder.

III. Die Abwägung (oder: die Kosten-/Nutzen-Relation)

Schon der nachvollziehbare wirtschaftliche Effekt des städtischen Mitteleinsatzes (2,4 Mio. Euro Investition und jährliche Zu­satz-Betriebs­kosten von 300 000 Euro) zei­gt, dass mit ihm ein Objekt im Werte von 33 Mio. Euro generiert wird. Wei­te­re, nicht berechenbare Folge-Effekte der oben unter Ziff.3 genannten Art kommen hinzu. Po­litisch wichtiger aber sind die immateriellen Effekte: der kulturelle Zugewinn, die Förderung der musischen Bildung, die qualitative und quantitative Verbesserung des Musikangebots, die attraktivere Stadtgestalt und insgesamt die Stärkung der Lebensqualität unserer Stadt.

Unter den gegebenen Bedingungen wäre es ideologische Verblendung, der Realisierung des Musikzentrums nicht zuzustimmen. Schließlich darf auch das bürgerschaftliche Engage­ment nicht ignoriert werden, das es mit 25 000 Spen­dern und ihren über 12 Mio. Euro privaten Spen­den gab, aber auch mit dem nachhaltigen Ein­satz meh­­re­rer Initiativen und zahlrei­cher „Einzelkämpfer“ für den Erhalt der Marienkirche.

Die CDU-Fraktion sagt also nicht nur ihrer politischen Tradition wegen „ja“ zum Musikzen­trum, sondern auch in nüchterner Abwägung des Einsatzes und seiner Effekte.

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