Historisch gesehen war die Hordeler Straße von je her Durchgangsstraße nach Wanne-Eickel und in umgekehrter Richtung in die Bochumer Innenstadt. 1993 wurde von dem damaligen Bauausschuss sowie vom Ausschuss für Stadtentwicklung und –planung der Beschluss gefasst, die Hordeler Straße nach Wanne-Eickel hin abzubinden.
Im Jahr 2000 wurde im Rahmen des Landesprogramms zur Verbesserung und Attraktivierung des ÖPNV der Beschluss gefasst, die Linienführung der 306 und damit die Riemker Straße auszubauen. Im Rahmen des Ausbaus sollte im Kreuzungsbereich Hordeler Straße, Magdeburger Straße, Eickler Straße, Riemker Straße ein Kreisverkehr entstehen. Nach dem Ausbau sollte die Hordeler Straße als Gemeindestraße abgestuft werden. Die Beschlüsse von 1993, die Hordeler Straße abzubinden, wurden mit in dem Beschluss von 2000 aufgenommen.
Offensichtlich muss der planenden Verwaltung bekannt gewesen sein, dass seitens der Stadt Bochum die Abbindung der Hordeler Straße beschlossene Sache war. Dennoch plante die Verwaltung einen Kreisverkehr mit Zugang zur Hordeler Straße bzw. mit Zugang der Hordeler Straße zum Kreisverkehr, obwohl unter diesen Voraussetzungen ein teurer Kreisverkehr völlig über gewesen wäre und eine billigere Lösung (z.B. eine einfache abknickende Vorfahrtsregelung) sich angeboten hätte.
Dennoch wurde die Planung in die Tat umgesetzt, der Kreisverkehr wurde wie geplant mit Anschluss zur Hordeler Straße gebaut und kurz nach Erstellung mit der Abstufung der Horderler Straße zur Gemeindestraße abgebunden. Wahrlich ein Schildbürgerstreich, der dem Steuerzahler viel Geld gekostet hat, das an anderer Stelle hätte sinnvoller eingesetzt werden können.
Scheinbar ohne sich über die Konsequenzen der Abbindung Gedanken gemacht zu haben, wurde umgesetzt, was man vor 17 Jahren beschlossen hatte. Doch zwischenzeitlich hat sich im Hinblick auf die Verkehrsdichte und die Verkehrsströme einiges verändert, sodass zu hinterfragen wäre, ob der Beschluss von 1993 überhaupt noch zeitgemäß sein kann.
Die negativen Folgen sind erwartungsgemäß auch nicht zu übersehen:
Die Linksabbiegerspur auf der Dorstener Straße, gar nicht für diese Verkehrsmenge ausgelegt, kann das zusätzliche Verkehrsaufkommen in Richtung Wanne-Eickel nicht aufnehmen. Viele Verkehrsteilnehmer suchen sich neue Wege durch die angrenzenden Wohngebiete und belasten diese über Gebühr. Viele Anwohner, etwa die gleiche Anzahl von Befürwortern der Abbindung, sprechen sich deutlich gegen die Abbindung aus. Die Stadt Herne interveniert gegen die Abbindung bei der Stadt Bochum.
Aufgrund des großen Drucks von außen und der Einsicht der Verwaltung, dass die Abbindung in dieser Form nicht durchführbar ist, wird am 21.01.2010 ein Kompromissbeschluss vorgelegt, der die Öffnung der Hordeler Straße in Richtung Wanne-Eickel vorsieht.
Die CDU-Fraktion begrüßte die Vorlage, weil sie beide Seiten berücksichtigte und immerhin den anfallenden Verkehr auf der Hordeler Straße halbieren würde. Der Bezirksbürgermeister, Dieter Heldt, sowie die SPD, zusammen mit der Linken und den Grünen wehrten sich vehement gegen diesen Kompromiss und stimmten gegen die Beschlussvorlage der Verwaltung. „Man möchte die Situation weiter beobachten und dann gegebenenfalls neu beschließen.“, so Fraktionsvorsitzender der SPD, Dr. Levin.
Die CDU-Fraktion sieht hier einen eklatanten Verstoß gegen den verfassungsmäßigen Grundsatz der Verhältnismäßigkeit. Es werden weitaus mehr Bürgerinnen und Bürger durch den Beschluss belastet als entlastet. An dem Beschluss partizipieren nur wenige, überwiegend ein SPD-Klientel, dem Vorteile verschafft werden soll, allerdings auf Kosten der übrigen Bevölkerung.
Am 22.01.2010 schrieb die CDU-Fraktion die Oberbürgermeisterin, Frau Dr. Scholz, an und bat darum, den Beschluss der Bezirksvertretung zurückzuholen und aufgrund der unübersehbaren überbezirklichen Auswirkungen durch den Rat entscheiden zu lassen, weil eine objektive Behandlung des Problems offensichtlich durch SPD, Grünen und Linken nicht möglich ist.
James Wille (Vorsitzender der CDU-Fraktion)